Wer wir sind
Der Jüdische Frauenverein Ruth ist der einzige sozialtätige Verein für bedürftige jüdische Menschen in München. Seit vielen Jahrzehnten engagieren sich seine ehrenamtlichen Mitglieder für Gemeindemitglieder in schwierigen Lebenslagen. Die Unterstützung reicht von finanziellen Hilfen und Sachspenden über Kranken- und Seniorenheimbesuche bis hin zu Begleitung bei Behördenwegen und regelmäßigen Sprechstunden. Ziel ist es, Menschen in belastenden Situationen nicht allein zu lassen und ihnen praktische, unmittelbare Hilfe zukommen zu lassen.
Unsere Arbeit heute
Die Nachfrage nach Unterstützung ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Viele jüdische Zuwanderinnen und Zuwanderer aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion, die seit den 1990er‑Jahren nach Deutschland kamen, sind heute von Altersarmut betroffen. Ihre im Herkunftsland erworbenen Ausbildungen wurden in Deutschland häufig nicht anerkannt, was den Zugang zum Arbeitsmarkt erschwerte und zu geringen Rentenansprüchen führte. Der Frauenverein Ruth leistet hier wichtige soziale Arbeit, die für viele Betroffene existenziell ist.
Unsere Tradition
Der Verein steht in der langen Tradition der jüdischen Frauenbewegung, die seit Beginn des 20. Jahrhunderts maßgeblich zur Entwicklung der sozialen Arbeit und zur Förderung von Frauenrechten in Deutschland beigetragen hat. Jüdische Frauenrechtlerinnen wie Bertha Pappenheim, Alice Salomon, Jenny Apolant, Paula Ollendorff, Regina Jonas, Jeanette Schwerin oder Rahel Straus prägten die Verbindung von sozialem Engagement, Bildung, Gleichberechtigung und gesellschaftlicher Verantwortung. Sie setzten sich für Frauenbildung, politische Teilhabe, soziale Gerechtigkeit und moderne Sozialarbeit ein – bis ihre Organisationen 1933 von den Nationalsozialisten verboten wurden.
Unsere Geschichte nach 1945
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Frauenverein Ruth von Henny Seidemann neu gegründet. Sie stammte aus einer alteingesessenen jüdischen Familie in Berlin, überlebte Verfolgung, Flucht und Exil, ließ sich in Spanien zur Krankenschwester ausbilden und kehrte 1957 nach München zurück. Ihr jahrzehntelanges Engagement für jüdisches Leben, soziale Verantwortung und den christlich‑jüdischen Dialog wurde vielfach ausgezeichnet: Sie erhielt das Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland, den Bayerischen Verdienstorden sowie die städtische Auszeichnung „München leuchtet“.
2021 wurde in München‑Schwabing‑Freimann eine Straße nach ihr benannt. Mit der Neugründung des Frauenvereins Ruth setzte sie ein starkes Zeichen für Kontinuität, Fürsorge und den Wiederaufbau jüdischer Gemeinschaft nach der Shoah.
Unser Selbstverständnis
Der Jüdische Frauenverein Ruth verbindet historische Verantwortung, soziale Fürsorge und ein starkes ehrenamtliches Engagement – getragen von Frauen, die sich seit Generationen für ihre Gemeinschaft einsetzen.
Ansprechpartnerin im Stadtbund:
Charlotte Gavish
E-Mail: charlotte.gavish@gmx.de